„When you meditate deeply, when you can touch reality in depth, you realize that such reality is free from birth, from dying, from coming and going, from being and none being. Nirvana is the capacity of removing wrong notions, ideas that serve as the base of misunderstanding and suffering, it is the practise of freedom. Nirvana can be translated as freedom, freedom of views.“

Thich Nhat Hanh

Ich sitze still, habe die Türen und Fenster zur Welt geschlossen. Mein Fokus führt nach Innen, zu meinem Atem. Der Geist beginnt nervös zu werden, beginnt zu denken – an Einkaufslisten, To-Do´s, das Wetter….. Ich tauche tiefer, lass mich tragen von den Wellen der Ein- und Ausatmung. Die Gedanken ziehen weiter, wie Wolken am Himmel. Frieden beginnt sich in mir auszubreiten, doch mein Geist, ein unruhiger Zeitgenosse, denkt anhand all des Friedens in mir an alles Ungelöste. Bilder der Angst ziehen über meinen Horizont, wütende Stimmen schimpfen über die Welt, auch das bin ich. Ich bleib ganz nah und atme weiter. Die Welt, wie ich sie bisher gedacht habe, beginnt sich aufzulösen, der Atem regiert in diesem Königreich. Stille und Weite erstrecken sich über die Grenzen meines Körpers. Jetzt scheine auch ich nicht mehr zu sein, bin nur mehr Atmung. Hinter meinen geschlossenen Lidern geht die Sonne auf, hell und gleißend. Atem und Licht, Licht und Atem.. pulsierendes Leben. Plötzlich ein Gedanke, an Gott und an seine Nähe. Die Verführung ist groß, diesen Gedanken weiterzuverfolgen, mich mächtig und stolz zu fühlen. Auch das bin ich, ich bleibe nah, und atme weiter. Der Geist gibt auf, die Gedanken werden ruhig, strömen gleichmäßig. Umarmt von einer scheinbar größeren Macht, eingebettet in eine übergeordnete Ordnung. Ich jedoch weiß von all dem nichts, atme nur, und bin ganz da.

Ein Lächeln von ungeahnter Zärtlichkeit durchströmt meinen Körper, legt sich wie Seide auf meine Haut. Ich spüre den Kuss des Lebens in meinem Herzen, die Umarmung der großen Liebe und werde ergriffen von einer Macht jenseits des Vorstellbaren. Heiß steigt Dankbarkeit in mir empor und ein Seufzen der Glückseligkeit entweicht meinen Lippen.


Bruder David Steindl-Rast spricht vom Geschenk der Gnade und der Dankbarkeit, die entsteht in der Berührung mit dem Geber dieses Geschenks.

Die modernen Neurowissenschaften haben festgestellt, dass Meditation zu nachhaltigen Veränderungen der Funktionsweise des Gehirns führt.

“Das Volumen der Hirnrinde in bestimmten Arealen der Großhirnrinde nimmt zu. Was auf eine Vermehrung der Neuropils, den Zwischenräumen zwischen den Nervenzellen, die von neuronalen Verbindungen und Synapsen ausgefüllt werden, zurückzuführen ist. Intensive Meditation ist offenbar in der Lage, die Zahl und Größe der Synapsen zu vermehren.”

Dr. Wolf Singer, Max-Planck Institut Frankfurt

Über den Glückszustand, der bei Meditation entsteht, wird neurowissenschaftlich noch spekuliert. Bei meditierenden Mönchen wurde im Gehirn ein hochkohärentes Aktivitätsmuster festgestellt. Dr. Singer vermutet, dass, wenn dieser Zustand genügend lange anhält, die Evaluationssysteme aktiviert werden und das Gehirn als Ganzes die Mitteilung erhält, dass ein Ergebnis erzielt worden ist, welches mit einem Gefühl von “Heureka” einhergeht.

In Indien wird dieses Glücksgefühl als „sat chit anand“ oder „divine bliss“ bezeichnet, welches in Gedichten oft als große Liebe beschrieben wird.

„Today will my love come to my house
I am washing my courtyard again and again.
Bedecked I am with gems and gold
When my Love will reach my house
it will glisten in His glow.
I shall light the lamp of love in me
and sing the welcome song to him
I shall be with him
all night through
basking in his bounteous love.
Says Kabir – what luck!
I shall wed tonight the Lord supreme“

Kabir

Die Suche nach Glück und Zufriedenheit findet ein Ende, indem wir die Augen schließen, unserem Atem durch die Spalte zwischen den Gedanken folgen und uns der mächtigen Liebesbeziehung in unserem Innersten hingeben. Was bleibt, ist überzufließen und von der großen Liebe zu singen.

Fortsetzung folgt…

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2 Responses to Freedom is inside first and happiness too*

  1. ram dass sagt:

    Danke für deine inspirierenden Gedanken und den wissenschaftlichen Background!

    MEditation ist auch der Ort wo sich Wissenschaft und Spiritualität befruchten ;-)

    Liebe Grüße und auf bald,
    Bardia

  2. Simonida sagt:

    Liebe Stella,

    sehr interessantes Thema und sehr fein von Dir geschrieben und kommentiert. Super!!

    Lg Sima

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